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Eine Weinprobe mit kleinen aber feinen spanischen Winzern

Verantwortlicher Autor: Rainer Welker Ramstein-Miesenbach, 08.11.2023, 23:11 Uhr
Presse-Ressort von: Rainer Welker Bericht 6274x gelesen
Steillagen in Spanien
Steillagen in Spanien  Bild: Rainer Welker

Ramstein-Miesenbach [ENA] Eine Spanienweinprobe abseits der großen Namen. Auf der Suche nach den kleinen Winzer die mit viel Herz und Verstand ihren Wein in die Flasche bringen, ihre Weinberge und ihren Wein lieben. Oftmals nicht mehr als ein Garagenwinzer, aber trotzdem mit großem Potential.

Galizien; Ribeira Sacra, Finca el Curvado 2019

Wir starten in Galizien. Von der Küste 150 km Luftlinie vom Meer entfernt ins Weinanbaugebiet Ribeira Sacra. Raúl Pérez und Rodrigo Méndez sind gute Winzerfreunde aus dem Nordwesten Spaniens, die auf bemerkenswerte Art und Weise dazu beigetragen haben, die Weine dieser Regionen unter den besten Spaniens zu platzieren. Die steilen Rebterrassen die sich entlang der Flüsse Sil und Mino reihen, sind ähnlich spektakulär wie die an der Mosel. Castro Candaz ist ursprünglich der Name einer mittelalterlichen Festung in Chantada, und nun das neue Projekt von Raúl und Rodrigo auf den Granit- und Schieferböden von Lugo. La Chantada ist eine kühle Gegend, in der beide versuchen, Weine im Burgunderstil zu schaffen, die durch ihre Finesse begeistern.

Das alte Weingut, das Raul Perez widerentdeckt hat, konnte er vom Besitzer weder kaufen noch mieten. Er darf es aber aus unerfindlichen Gründen kostenlos bestellen. Finca el Curvado, ein Rotwein, der hauptsächlich mit Trauben der Rebsorte Mencía gekeltert wird, ist das Ergebnis einer sanften und kurzen Weinherstellung, deren Ziel nicht die Extraktion ist, sondern Balance und Eleganz. Der Stromanschluß ist so schwach, dass eine Entrappmaschine nicht in Frage kommt.

Die Beeren aus 45-75 Jahre alten Mencia- und Alicante Bouschet-Reben werden deshalb im Ganzen eingemaischt und 30 Tage mazeriert. Anschließend reift der Wein 11 Monate im Eichenfass. Die Produktionen sind derzeit stark limitiert auf etwa 4000 Flaschen. Aromen von schwarzen und roten Früchten mit einer Dominanz von Blaubeeren. Sehr mineralisch mit guter Säure, leicht aber lang, mittleres Tannin. Gut integrierter Alkohol mit 13%.

Kastilien-Leon, Bierzo, Mengoba Mencio de Espanillo 2016

Weiter geht die Reise nach Kastilien-Leon, ebenfalls im nordosten Spaniens. Hier liegt das Anbaugebiet Bierzo. Nach der Ausbildung und seinen Wanderjahren, die Gregory Perez unter anderem zu Chateaus im Bordeaux geführt hat, kam er im Jahr 2000 nach Spanien, verliebte sich in die Region Bierzo und gründete in dem kleinen Dorf Sorribas seine eigene Bodega, die Bodegas y Viñedos Mengoba. Die Rebanlagen, befinden sich auf einer Höhe von 550 - 900 Metern Höhe. Die 20 Hektar Reben, die zwischen 20 und 80 Jahre alt sind, bewirtschaftet er handwerklich und nach biologischen Gesichtspunkten.

So spannt er beispielsweise für das Pflügen der steilen Rebflächen zwei Kühe vor den Pflug. Auf diesem Weingut entsteht alles langsam. Hier ist alles entschleunigt. Jeder Arbeitsschritt bekommt die Zeit, die er benötigt. Laut Gregory können nur so Weine entstehen, die Ihre Herkunft in sich tragen, die so schmecken, wie der Ort von dem sie stammen. Mencia, Godello, Alicante Bouchet und Dona Blanca sind die angebauten Rebsorten.

Der Mengoba Mencio de Espanillo 2016 ist ein eleganter spanischer Rotwein. Der Wine Advocate schreibt: "Der 2016er muss zu den besten Jahrgängen für diesen hoch gelegenen Mencía gehören“. Der Mencia stammt von Schieferböden in 80 Jahre alten Weinbergen und einem kleinen Prozentsatz Alicante Bouchet ab. Nach einer manuellen Ernte in Kisten werden die Trauben selektiert, entrappt und zerkleinert. Dann geht er direkt in ein Fuder von 2500 Litern, wo er die alkoholische und Milchsäuregärung durchführt, er bleibt in diesem Fuder, bis zur Abfüllung. Die Reifezeit beträgt 11 Monate. Insgesamt wurden 3300 Flaschen abgefüllt. Aromatisch, mit Noten von Blaubeeren, Kirschen und aromatischen Kräutern, die sich mit Gewürz- und Räuchernoten vermengen.

Katalonien, Priorat, La Guinadera Vi de Vila 2016

In der Region Katalonien liegt eines von 2 spanischen DOca Anbaugebieten, das Priorat. La Guinardera ist der Weinberg, mit dem Jaume Balaguer seine Arbeit begonnen hat. Insgesamt bewirtschaftet er nur 2 ha. Der Weinberg liegt zu 100% innerhalb der Gemarkung der Gemeinde Gratallops, daher die Bezeichnung "Vi de Vila," auf Deutsch "Ortswein„ Mit einer südlichen Ausrichtung liegt La Guinardera auf ca. 200 - 250m und wurde mit ca. 3000 Rebstöcken - die inzwischen 30 Jahre alt sind - bepflanzt. Die Reben wachsen auf Terrassen aus Llicorella - den typischen Schieferböden des Priorats - und bekommen durchschnittlich 300 Liter Niederschlag im Jahr.

. Die Trauben werden auf Drahtrahmen erzogen, es werden organische Methoden ohne Pestizide angewendet und die Weinberge werden nicht künstlich bewässert. Die Erde wird einmal im Jahr mechanisch bearbeitet um den Luftaustausch zu verbessern. Ansonsten werden alle Arbeiten im Weinberg per Hand durchgeführt, einschließlich der Ernte. Es ist der einzige Wein des Weingutes.

Es wird ausschließlich 100% Garnatxa Negra (Grenache Noir) für La Guinardera benutzt. Die Trauben werden bei der Ernte im Weinberg selektiert, nur die reifen und gesunden Trauben kommen in die Kelter. Die Mazeration erfolgt temperaturkontrolliert über ca. 30 Tage in Glasfaserbottichen, es wird mit Naturhefen spontan vergoren. Nach Abschluss der alkoholischen Gärung ruht der Wein noch 9 Monate auf der Hefe im gleichen Behälter. Danach wurde er 12 Monate in gebrauchten 500-Liter-Fässern (zweit und dritt Belegung) aus französischer Eiche ausgebaut, um dann weitere 36 Monate in der Flasche zu reifen. Insgesamt wurden ca. 2800 Flaschen abgefüllt.

Der 2016 er La Guinardera hat eine tiefe purpurfarbene Farbe. In der Nase ist er intensiv und komplex, mit kräftigen Fruchtaromen von Pflaumen und schwarzen Kirschen, gefolgt von aromatischen Kräutern wie Rosmarin und Thymian. Auf dem Gaumen erzeugt der Wein ein samtiges Mundgefühl mit ausgewogener Struktur, Mineralität und feinen Tanninen. Trotz des hohen Alkoholgehalts wirkt er dank gut erhaltener Säuren sehr frisch. Die Aromen von eingekochten roten Früchten wirken im Abgang lang nach. Alkohol 16%

La Rioja, Rioja, Ad Libitum 2020

Denken wir an eine historische Gegend des spanischen Weinanbaues, ist es sehr wahrscheinlich, dass die erste, die uns in den Sinn kommt, die DOCa Rioja ist. Wenn wir uns zusätzlich fragen, aus welcher Rebsorte die meisten ihrer Rotweine gekeltert werden, werden nur wenige Schwierigkeiten haben, “Tempranillo! zu antworten. Aber was würde passieren, wenn uns jemand nach dem Namen einer autochthonen Rebsorte aus der Rioja fragte, die sich gerade im Prozess der Wiederbelebung befindet und in jedem anderen Teil der Welt praktisch ausgestorben ist? Die Antwort auf diese Frage müsste Maturana Tinta lauten.

Diese Traube mit kleinen und kompakten Beeren deren Ursprung im Jura liegt, ist sehr gut in der Lage, zu färben und funktioniert perfekt mit Eiche. Der Ausbau im Holz hilft, ihre Tannine zu polieren und schenkt dem Wein Volumen und Seidigkeit am Gaumen. Es war vielleicht ihre spärliche Produktivität, die sie in den Hintergrund gerückt hat, bis sie fast in Vergessenheit geriet. Heute sind bereits einige Kellereien dabei, für die Wiederbelebung der Rebsorte zu kämpfen.

Unter ihnen ist zweifelsohne eine der führenden Bodegas Juan Carlos Sancha. Diese Kellereien, die in der Rioja Alta gelegen sind, einer eher kühleren Gegend des Herkunftsgebiets, haben ihre Bemühungen auf die Herstellung von Weinen aus Garnacha Tinta konzentriert. Der gleiche Juan Carlos Sancha hat von seinem Lehrstuhl an der Universität der Rioja an einem Forschungsprojekt teilgenommen, das sich mit der Wiederbelegung der autochthonen Rebsorten befasst. Die 5,5 Hektar Weinberg umgeben die Bodega und das Haus von Juan Carlos.

Die Rebstöcke wurden in 600 Metern über dem Meeresspiegel angepflanzt, bieten Trauben von unverbesserlicher Qualität und starker Konzentration. In einer Kellerei mit Basisausstattung werden bis zu sechs Weine hergestellt, unter ihnen der Ad Libitum Maturana Tinta. Die Trauben für diesen Wein stammen ursprünglich von 17 Rebstöcken, die auf einem alten Weinberg gefunden wurden, und die sich durch Verpflanzungen multipliziert haben. Nach der Rappung vergärt der Most in neuen Traubeneichen Fässern mit 500 Litern Fassungsvermögen.

16 Mal täglich wird umgerührt, um die Schalen so immer nass und im Kontakt mit dem Most zu halten. Nach 11 Monaten Ruhezeit im Holz erreicht uns der Wein mit einer tief kirschroten Farbe und einem Bouquet, das voll leckerer dunkler Frucht, sowie Mineralität, Lakritze und so mancher Note von grünem Pfeffer ist. Am Gaumen zeigt er eine mittlere Struktur, eine gute Säure und durch das Holz schön profilierte Tannine. Zu den in der Nase wahrgenommenen Aromen kommen Einschläge von Kakao, Kaffee und Gewürzen. Ein reifer und leckerer Abgang mit langem Nachgeschmack. Alkohol 13,5%

Valencia, Rafa Cambra Uno

Wir wechseln in den Südosten Spaniens in die Region Valencia mit ihren 8 Anbaugebieten davon 3 DO.. Rafael Cambra gehört sicher zu den führenden Produzenten des Anbaugebietes DO Valencia. Nach seinem Studium der Önologie in Valencia und im südfranzösischen Montpellier, arbeitete er zunächst in der Rioja bei namhaften Produzenten, bevor er dann zu Beginn des Jahrtausends zurück ins heimische Valencia zog, um sich dort den Traum eines eigenen Weines und einer eigenen kleinen Bodega zu erfüllen. Unter minimalistischen Bedingungen kamen die 2 Rotweine Rafa Cambra Uno und der Rafa Cambra Dos heraus.

Auf diese Weine trifft der Begriff "Garagenwein" aufs Wort zu. Rafael Cambra folgt bei der Auswahl der Rebsorten keinen Doktrinen. Er arbeitet sowohl mit dem in der Region verwurzelten Monastrell, als auch mit Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Wenn man weiß, dass die Eltern eine der größten Rebschulen Spaniens besitzen, kann man auch verstehen, dass sich Filius Rafa bei der Wahl der Rebanlagen auf das beste genetische Material konzentriert. Natürlich kommen beim Ausbau, Barriques bester Herkunft zum Einsatz. Zum guten Schluss wird der Wein in breitschultrigen Flaschen gefüllt, die ein auffälliges Etikett zieren. Modernes Spanien!

Rafa Cambra Uno 2020 ist Rafael Cambras Paradewein aus der einheimischen Rebsorte Monastrell aus der Region Valencia. Ein fulminantes Energiebündel voller Originalität, konzentrierter Aromatik und mediterranen Charme! Luis Gutierrez bewertet den reinsortigen Monastrell aus alten Reben mit 94 Parker Punkten und schreibt im Wine Advocate:"Der ausgesprochen mediterrane Uno 2020 wurde aus Monastrell-Trauben von wurzelechten 57 Jahre alten Reben hergestellt, die bei voller Reife mit vielen Aromen und Geschmacksrichtungen geerntet wurden.

Er fermentierte in offenen Bottichen mit einheimischer Hefe und wurde mit den Füßen getreten und reifte 12 Monate lang in einem 5.000-Liter-Eichenbottich. So ist die Eiche kaum wahrnehmbar und der Wein wirkt ausgewogen, harmonisch, sortenrein und sauber, sehr ausdrucksstark, mit mittlerem bis vollem Körper und sehr feinen Tanninen. Hervorragend. Er sollte schön in der Flasche reifen. Der Geschmack erinnert an reife Brombeeren, Holunderbeeren und Kräuter. 6.600 Flaschen wurden im Januar 2022 abgefüllt. Alkohol 14,5 %

5 Anbaugebiete, 5 Winzer, 5 Weine die Lust auf mehr machen.

Eine kleine, Auswahl an spanischen Winzern und Bodegas die ohne technischen Schnickschnack Weine von außergewöhnlicher Qualität herstellen. Die 50 Teilnehmer der Weinprobe waren begeistert davon was neben großen Namen, die natürlich auch in der Weinprobe ausgeschenkt wurden, an tollen kleinen Winzern am Markt ist und sich dort auch zurecht behauptet. Alle Weine sind im einschlägigen Versandhandel erhältlich in der Preisspanne zwischen 9,-€ und 21,-€. Einfach mal suchen und selbst probieren.

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